Steinbeil

Im leer stehenden Haus am Oberen Kirchweg, nahe der Kirche, lagerten bis vor kurzem die unterschiedlichsten Altertümer. Es ist bekannt, dass die vormaligen Hausbewohner, Familie Fricker ("s Lehrers"), sich für historische Dinge interessierten. 

Im Sammelsurium zwischen Tabakpfeifenköpfen, Schützenfestabzeichen, Pulverhorn, Flinte und Brillenetui tauchte ein Artefakt aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) auf: eine geschliffene Steinklinge aus Serpentin. 

Länge: 7,8 cm
Länge: 7,8 cm
Ansicht von der Schmalseite
Ansicht von der Schmalseite

 

Wann wurde dieses Steinbeil ausgegraben? 

Es ist zu vermuten, dass es sich bei der wiederentdeckten Steinzeitwerkzeug um eines jener Stücke handelt, die 1885 im 15. Argovia-Band erwähnt wurden. In der Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau wird vom Fund mehrerer Steinwerkzeuge in der Umgebung der Kirche berichtet:

 

 

Wie alt ist das Steinbeil?

Diese Art von Werkzeug stammt aus der Jungsteinzeit. Das ist jene Epoche, in welcher der Mensch sesshaft wurde und sich vom Jäger und Sammler zum Viehzüchter und Ackerbauer entwickelte. 

Die Jungsteinzeit dauerte etwa von 6500 bis 2300 v.Chr. Das Steinbeil dürfte etwa aus der  Zeit zwischen 4300 und 2300 v.Ch. stammen.

 

Wie arbeitete man mit einem Steinbeil?

Ein Steinbeil wurde zum Fällen von Bäumen verwendet. Man rodete Waldstücke und verarbeitete das Holz weiter. In der Jungsteinzeit benötigte man für den Hausbau und als Brennholz viel von diesem nachwachsenden Rohstoff. 

Mit der Steinklinge allein konnte man aber keine Bäume fällen. Dazu brauchte das Werkzeug einen Stiel. Die Länge eines damaligen Axtstiels ist etwa mit dem heutiger Beile vergleichbar. Schon in der Jungsteinzeit verwendete man für den Schaft von Äxten das Holz der Esche. Im Unterschied zu unseren Beilen war bei dieser Steinzeitaxt die Klinge in den Stiel eingepasst und nicht umgekehrt. Der Stein wurde mit Birkenrindenteer in eine Aussparung im Holzschaft eingeklebt. In der Regel hatte man zwischen Steinklinge und Holzstiel noch ein Zwischenstück aus Hirschhorn. Dieses Hirschhornfutter sorgte dafür, dass bei harten Schlägen die Beilklinge nicht den eigenen Schaft spaltete.