Armenwesen

Zu den Pflichten einer jeden Gemeinde gehörte es, für seine Ortsbürger zu sorgen, wenn diese verarmten und nicht mehr selbst für ihr Auskommen sorgen konnten.  

Die Gemeinden - meist selbst knapp bei Kasse - versuchten manchmal sich um die Verpflichtung zu drücken. Immer wieder musste sich der Gemeinderat in seinen Geschäften mit traurigen Geschichten mittelloser und bedürftiger Wittnauer Bürger befassen. Die Akten der Armenpflege nehmen denn auch im Gemeindearchiv einigen Raum ein. 

All die Schicksale und Ungerechtigkeiten zu dokumentieren, die die Unterschicht erdulden musste, ist kaum möglich. Zu gross ist ihre Anzahl. 

Trotzdem möchte ich ein paar einzelne Dokumente zeigen, welche die Probleme der Menschen in ihrer Armut beschäftigten. 

 

Arztkosten

Brief von Dr. W. Fischler, Möhlin, an den Gemeinderat Wittnau (29. Dec. 1852)
Brief von Dr. W. Fischler, Möhlin, an den Gemeinderat Wittnau (29. Dec. 1852)
An den "Titulierten Gemeinderath" adressiert, mit 10 Rp. frankiert und in Möhlin und Rheinfelden abgestempelt
An den "Titulierten Gemeinderath" adressiert, mit 10 Rp. frankiert und in Möhlin und Rheinfelden abgestempelt

 

[Transskription des Brieftextes:]

                                                                 Möhlin  29. Dec. 1852.

 

An

den Tit. Gemeinderath in Wittnau.

 

Geehrteste Herren!

Ich zeige Ihnen hiermit an, daß die Frau des 

Jos. Übelmann von dorten [= Wittnau], in hier [= Möhlin] wohnhaft, seit

etwa 14 Tagen an der Gliedersucht heftig erkrankt 

im Bette liegt und ich sie deßhalb ärztlich behandle,

und ihr die nöthigen Arzneien aus meiner Apotheke 

abliefere. Da Übelmann arm, im Concurs ist, an 

ihm also nichts zu suchen wäre, ist die Gemeinde 

Wittnau, wo er gebürtig ist,  verbunden u. verpflichtet, 

die sich ergebenden Arztkosten zu bezahlen. 

Ich werde daher so frei sein, Ihnen s. Zeit 

die Rechnung einzusenden. 

Daß zeigt Ihnen pflichtgemäß an nebst Versicherung 

seiner wahren Achtung der behandelnde Arzt:

 

                                              W. Fischler, Arzt.

 

 

Aus Gemeinderatsprotokollen

Ein Paar Schuhe auf Gemeindekosten:

GR Protokoll Wittnau 28. Mai 1834
GR Protokoll Wittnau 28. Mai 1834

d)  Der Armenpfleger Rütsche wird angewiesen dem 

     Xaver Businger Schuster wegen Ignatz Herzog

     ein barr [Paar] Schuh mit L. [Fr.] 4 zu bezahlen.



Essen aus der Kronen-Küche für unbeholfene und mittellose Kranke

GR Protokoll Wittnau 3. Jenner 1857
GR Protokoll Wittnau 3. Jenner 1857

136.     Da Magdalena Husner im Armenhause krank liege, so

            wird der Weibel beauftragt, sich von der Krankheit derselben

            zu erkundigen, u. im Falle der Unbeholfenheit ihr einst-

            weilen die Kost bei Hrn. Kronenwirt zu bestellen.

 


Probleme mit Schulden

1854: Der Geldverleiher M.G. Dreyfuß aus Endingen gibt der Gemeindebehörde seine Forderungen im Geschäft mit dem Schuldner Bernhard Herzog bekannt. 

Brief von M.G. Dreyfuß, Endingen, an den Wittnauer Gemeindeammann.
Brief von M.G. Dreyfuß, Endingen, an den Wittnauer Gemeindeammann.

                                                                      17

                        End[ingen] den 26 März 1854

            Herrn Gemeindaman !

 

Ich habe Ihnen die Anzeige zu machen

daß ich  übersendete Fr. 65 auf Rech =

nung des Bernhard Herzog erhalten [habe].

Den Abzug v. Fr. 15  kann ich nur dulden, wen

dieselbe von Abr[aham] Hug ersetzt werden. Von

Herzog wird nun nur noch verlangt

der Ratazins seit dem 8 Nov. 53 den ich

als Verwalter selbst auf zu beßern

hätte, v.  ausgelegte der Porto will

ich schweigen, obwohl Herzog genug provodirt

aber der Markzins muß mit Fr. 1  Cnt 8 ersezt

werden, vorauf ich dann das Obligo ab =

senden werde, u die Eingabe zurük ziehe.

 

            In Erwartung deßelben zeichnet

                        mit Achtung

 

                        M. G. Dreÿfuß



 

 



In Bearbeitung!

Weitere Dokumente zum Thema "Armut in Wittnau" werden folgen.

Ch. Benz